Test: Sennheiser PMX 100 UPDATE 26.04

Alle habe ich sie durch: im Ohr, relativ Weit im Ohr, im Gehörgang, Nackenbügel, Kopfbügel…

Doch seit nun über 12 Jahren, länger als manch eine Freundschaft oder Ehe hält, gibt ein Paar japanische Kopfhörer der Sorte „relativ weit im Ohr“ bei mir den Ton an. Die vielen Mitstreiter landeten alle früher oder später auf E-Bay. Trotz aller Treue ist es langsam so weit, “ It is time to say goodbye „.

Die Jahre sind auch an ihnen nicht spurlos vorüber gegangen. Der Geist ist schwach: hört man doch schon die Altersschwäche heraus. Selbst das Fleisch ist schwach geworden: hier und dort musste mal mit Sekundenkleber gearbeitet werden – alles nur, damit ich mich nicht in den Dschungel der portablen Kopfhörer begeben musste. Irgendwie hänge ich an ihnen mit so vielen Erinnerungen.

Nun ist es aber soweit, nach verschiedensten Ausflügen zu Enkeln des Sonys oder anderen Vertretern von Koss und Sennheiser, ist es wieder ein Sennheiser geworden. Ihn werde ich antreten lassen…wird er das schwere Erbe antreten können?

26.04.2008 UPDATE

UPDATE UNTEN

Nun nenne ich die Sau beim Namen: Sennheiser PMX 100

Das Besondere an ihm ist die Nackenbügelkonstruktion. Für manch Einen sicher etwas Neues – für mich hingegen nicht, so habe ich bereits den Sennheiser PMX 60 ähnlicher Bauart besessen. Allerdings war er mir zu hell abgestimmt.

Die Daten sind auch relativ schnell aufgezählt:

  • Frequenzgang 15 – 27000 Hz
  • Impedanz 32 Ohm
  • Maximaler Schalldruckpegel bei 114dB
  • der Klirrfaktor wird mit geringer als 0,1% angegeben
  • Kabellänge 1,4m

Trotz der beachtlichen Daten und der Vorfreude auf den Kopfhörer fiel die erste Kontakaufnahme mit dem neuen Kopfhörer eher kritisch aus. Verheißungsvolle Werbesprüche auf der Verpackung wie “ Ausgezeichnete Klangqualität – wie aus der HiFi-Anlage “ , ein Frequenzgang ab 15Herz. WOoooOoOoOW !!!

HiFi für 40EUR? Mit High Fidelity wird heute selbst die Anlage für 30EUR aus dem Discounter-Schmink-Laden beworben. Es gibt genau genommen keine wirklichen Normen für HiFi. Vielleicht hier und dort ein paar Eckdaten, doch werden diese aus den Urzeiten des Home Entertainments stammenden Rahmenbedingungen heute wohl selbst von einem Radiowecker erfüllt.

So ist das Ganze wohl mehr ein Eingeständnis seitens Sennheisers an die heutige Werbewelt. Der PMX 100 ist laut Packung in Deutschland entwickelt, die Membranen sogar in Europa gefertigt, jedoch in China zusammengebaut worden. Die 15Hz wird der Kopfhörer mit SICHERHEIT nicht schaffen, so tief kommen nur die wenigsten Heimkinosubwoofer für 1000EUR. 15Hz kann man auch gar nicht hören, sondern nur noch spüren. Dennoch hat es sich irgendwie bei den Herstellern eingebürgert, hier nach oben und unten hin immer etwas zu optimistisch zu sein. Trotzdem kann man ruhigen Gewissens sagen, dass Produkte von Sennheiser zu 99,99% mehr mit „HiFI“ zu tun haben als Billigimporte aus Fernost. So hat sich Sennheiser über Jahre hinweg einen Ruf mit guten Produkten gemacht.

Nun aber zurück zum Test

Die Verpackung:

Die Verpackung ist leicht zu öffnen und genau so leicht wieder verschließbar. Durch ein graues Kunststoffteil in der Öffnung oben wird das Ganze zusammengehalten. Es ist also möglich, das Produkt auch mal in Natura anzusehen, ohne gleich die gesamte Verpackung zerstören zu müssen, wie es leider bei manchen Produkten so der Fall ist.

Der Inhalt:

Ein Kopfhörer und ehm… das wars! Keinerlei Beipackzettel, Adapter, Kabelverlängerungen oder Aufbewahrung. Angesichts des recht hohen Kaufpreises doch sehr enttäuschend. Gerade wenn auf der Verpackung ein leicht zu wechselndes Polster angepriesen wird, könnte man sich gut vorstellen, dass auch ein Paar als Ersatz dem Produkt beiliegt.


Das Erscheinungsbild:

Das Erste was auffällt, ist das seltsame Muster an den Außenseiten der Ohrmuscheln. Ein Karomuster. Auf den ersten Bildern im Internet dachte ich, es handele sich hierbei um ein Gitter. Schnell fallen auch die beiden Ohr-Bügel auf, diese klemmt man sich den Vorstellungen der Sennheiser Ingieneure nach hinter die Ohren, so dass diese dem Kopfhörer einen sicheren Halt gewähren. Ein ähnliches System findet man auch bei Philips, wo jedoch der Kopf-Bügel, der um den Kopf herum geht wegfällt. Das Kabel von der linken zur rechten Ohrmuschel führend ist im Kopf-Bügel versteckt. Das einseitig geführte Kabel ist leider etwas zu lang geraten, es hätte auch gern nur die halbe Länge sein dürfen oder sogar noch kürzer, aber dann mit einem Verlängerungskabel als Beilage (wie es das auch beim CX 400 von Sennheiser gibt). Das gesamte Erscheinungsbild des Kopfhörers würde ich eher als nüchtern bezeichnen. Er fällt mehr wegen seiner Bauart als wegen seines Designs auf.

Die Verarbeitung:

Die Aufhängung der Ohrmuscheln ist vermutlich auf Grund des eingebauten Gelenks, welches eine moderate Verstellbarkeit der Ohrmuscheln ermöglicht, recht klein ausgefallen. Der Kopf-Bügel ist NICHT verstellbar. Er ist wie man auf dem Foto hier sehen kann durch Schrauben fixiert. Das Einzige, was den Kopfhörer flexibel macht ist eine Metallspange, die im Kopf-Bügel eingesetzt worden ist. Die Ohr-Bügel sind sehr flexibel, jedoch teilweise aus einem harten Kunststoff. An sich scheint der Kopfhörer trotz der teilweise recht locker sitzenden Elemente recht stabil. Befindet sich der Kopfhörer erstmal an seinem Bestimmungsort, auf dem Kopf, sitzt er dort auch bombenfest. Mögliche Bruchstellen sind ganz klar die Ohr-Bügel, welche man bei jedem Aufsetzen relativ stark beansprucht sowie die Aufhängung der Ohrmuscheln selbst.

Der Tragekomfort:

Hier kommen wir auch zu der Disziplin, von der ich mir gerade von den PMX 100 Kopfhörern viel erwartet habe – druckloses Aufsetzen auch nach längerem Tragen. Leider wurde ich hier enttäuscht. Es gibt für mich so wie es vom Hersteller ursprünglich gedacht ist, keinerlei Möglichkeit den Kopfhörer angenehm aufzusetzen. Die Ohrbügel drücken auf meine Ohren. Der Druck der Metallspange hingegen ist völlig in Ordnung. Vielleicht ist es auch nur eine Sache der (Um-)Gewöhnung. Da der Druck der Spange genügend ist, kann man jedoch auf das genaue Anlegen der Ohrbügel verzichten und den Kopfhörer einfach so aufsetzen, ohne die Ohr-Bügel hinter das Ohr zu stellen. So ist das Tragen auch gleich viel angenehmer, allerdings sitzt der Kopfhörer so auch nicht mehr ganz stabil und würde vermutlich beim Joggen abrutschen. Was hat Sennheiser denn hier gemacht. Die Ohr-Bügel sind viel zu hart, sie drücken zumindest bei mir auf die Ohren. In einigen Berichten auf Amazon habe ich ähnliches gelesen. Es geht also nicht nur mir so. Einen Vorschlag hätte ich also sofort an die Sennheiser Ingenieure: Die Ohrbügel weicher machen, vielleicht eine gewisse Einstellbarkeit realisieren. Ein weiterer Kritikpunkt, der vermutlich bei jedem mehr oder weniger schwer auffallen wird, ist die Tatsache, dass der Bügel bei mir zumindest bei manchen Kopfbewegungen am Hinterkopf reiben kann und somit ein unangenehmes Gefühl entsteht. Menschen mit längeren Haaren werden vermutlich auch nicht sonderlich zufrieden mit dem Kopfhörer sein.

Wobei das auch eine Frage der persönlichen Einstellung (sprich Eitelkeit) ist. Die klassischen Kopfhörer zerstören einem vielleicht die mit Gel aufgestylte Frisur und diese könnten vielleicht unter Umständen das Haar am Hinterkopf durcheinander bringen. Im Bett zu liegen und dabei Musik zu hören ist bei diesem Modell auch eher bedingt möglich, der Kopfbügel verrutscht so gerne. Da man ja nicht im Bett herumturnt, kann man damit leben.

Nerviger ist da eher die Tatsache, dass man vielleicht in der Bahn an seinem sitz lehnend andauernd den Kopfhörer mitbewegt, da der Bügel einen Spalt zwischen Hinterkopf und sich selbst offen lässt.


Nun komme ich zu etwas Positivem: Die offene Bauart macht wirklich einen riesen Unterschied. Ob man lieber einen Fremdkörper in den Ohren oder im Gehörgang hat oder eben auf den Ohren ist für mich klar entschieden. Sollte es für den PMX 100 bei mir nicht reichen, werde ich mich definitiv nach einem Kopfhörer in offener Bauweise umschauen.

Der Abschnitt Tragekomfort mag sich zwar nach einem Desaster für die Kopfhörer anhören, was es allerdings nicht unbedingt ist. Ich wollte hier meine Bedenken und Erfahrungen nicht schön reden, damit ich eventuell manch einer Enttäuschung eines Lesers zuvorkommen kann. Der Tragekomfort ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Das letzte Wort ist bei mir auch noch nicht gesprochen, eventuell behalte ich den PMX 100 trotz allem.

Der Klang:

Hier hat auch mein uralt Sony Kopfhörer keinerlei Chance mehr mitzuhalten. Wirkt dieser doch im Vergleich zum PMX 100 viel gepresster und angestrengter. 1996 kostete mich der Sony Kopfhörer übrigens 39DM – das Taschengeld von mehr als zwei Monaten, gut die Hälfte des Kaufpreises des PMX 100. Der Klang ist für 40EUR sehr frei und differenziert, bei entsprechend gutem Material und einem vernünftigen Player kann man zufriedenstellende Ergebnisse, ja für diese Preislage überzeugenden Klang erhalten. Der Bass ist meiner Meinung nach genau so wie die Maximallautstärke völlig ausreichend, alles was darüber hinaus geht ist einfach nur gehörschädigend und so ein Ohrsausen ist kein Spaß. Es bleibt ein Leben lang. Leider vergisst das manch einer. Ich persönlich bin bereits geschädigt und gehe seitdem ohne Ohrschutz in Form von Schaumpfropfen auf kein modernes Konzert mehr.

Was man gerade bei Kopfhörern offener Bauweise beachten muss ist die baubedingte Tatsache, dass jeder in der Umgebung verstärkt mithören kann. Das kann in einer ruhigen Umgebung wie einer Bibliothek recht störend wirken, man sollte also in solchen Situationen die Lautstärke wirklich heruntersetzen.

Getestet habe ich den Klang an einem Ipod Shuffle und meinem HiFi Gespann bestehend aus dem Denon PMA-1500 AE Vollverstärker und dem Denon DCD-700 AE CD-Player. Großartige Klangunterschiede konnte ich nicht feststellen, hier und dort klang eine Nuance verschieden, die ein oder andere Gitarreneinlage war dynamischer, was man allerdings auch auf die MP3 Komprimierung schieben kann. Hier habe ich allerdings auch nicht viel mehr erwartet, da ein Kopfhörer dieser Preisklasse wohl kaum wirklichen HiFi Ansprüchen genügt. Ich codiere meine Musik CDs auf 256Kbits im Joint-Stereo verfahren mit dem aktuellsten Lame Encoder. Leider schluckt der Ipod nicht das von mir favorisierte OGG Vorbis.

Am liebsten höre ich übrigens Rock, von eher soft und locker bis hinzu hartem Stoner-Rock mit heftigem Gitarrenspiel. Jedoch fehlen auch Popeinlagen von Jack Johnson, Jamiroquai oder eher elektronisches wie von Moby nicht.

Mein Fazit:

Ein klanglich wirklich guter Kopfhörer mit Defiziten im Tragekomfort. Auch der Lieferumfang lässt zu wünschen übrig. Ob er nun bei mir bleibt oder ich mich von ihm trenne, ist noch unklar. Sein Bruder PX 100 in der klassischen Bügel-Ausführung hat leider beidseitig ausgeführte Kabelstränge, was mich vom Kauf derzeit abschreckt.

26.04.2008 UPDATE:

Nach mehrmaligem Besuch im Fitnesscenter, kann ich neues über den Kopfhörer berichten. Der Tragekomfort wird mit der Zeit immer besser und auf dem Cross-Trainer fällt das anfangs unangenehme Tragegefühl nicht mehr ganz so sehr auf. Es ist zwar immer noch nicht 100% so, wie ich es mir vorgestellt hab. Aber der Sound entschädigt mich ein wenig, so macht es gleich mehr Spaß, als mit den Gummistöpseln.
Leider musste ich feststellen, dass die Schaumstoffpads der Kopfhörer sehr leicht abfallen können (gerade beim an und abziehen, wenn man schon recht gut geschwitzt hat). Weitere Meldungen folgen.

Tobias:
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